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Spenden für die
Tsunami-Opfer in Japan

Die Katastophe in Japan ist gewaltig, aber schon lange wieder aus dem öffentlichen Interesse verschunden. Scheinbar interessiert in Deutschland nur ob "wir" auch irgendwelche Folgen ertragen müssen. Müssen wir nicht. Also flugs weiter im Trott. Wer dennoch spenden will, kann das bei der Aktion Deutschland tun.
Aktion Deutschland Hilft bittet um Spenden für die Betroffenen des Erdbebens in Japan (hier klicken).
Oder sich den neuen Sampler "Songs für Japan" bei iTunes kaufen (Unter anderm mit dem Born This Way (Starsmith-Remix). Der Erlös geht an das Rote Kreuz, Japan.
Objekt der Soziologie
Der Semester-Kurs von Prof. Mathieu Deflem mit dem Thema "Lady Gaga and the Sociology of the Fame", wird sich im Frühjahr 2011 mit diversen kulturellen und gesellschaftlichen Aspekten und Wechselwirkungen (Religion, Sexualität, Gay-Kultur, Marketingstrategien, Kultur der Städte New York und LA) anhand des Werkes von Lady Gaga beschäftigen. Der Dozent der Universität von South Carolina, in Columbia, USA, ist zwar auch ein Fan, aber seine Wahl traf er wegen des außerordentlichen Wirkung von Gaga. Das die Auswahl berechtigt war, zeigt sich schon an der gewaltigen Resonanz der internationalen Presse auf das Kursthema.
Als relativ anspruchsvoll und mit viel Lesestoff gepflastert wird der Kurs beschrieben. "Es wird kein Kurs über Gaga vielmehr über Soziologie". Dennoch sind die Ergebnisse sicher auch für Fans sehr interressant: Die Site des Kurses (hier klicken).

Dicke Lippe
So kennt man sie: Englische Skins in besonders schicken Vertreter-Anzügen, die immer mindestens eine Konfektionsgröße zu klein sein müssen, wodurch die meist etwas feisten Träger noch ein wenig speckiger wirken.
Ben Drew macht da keine Ausnahme. Der Sänger der Band Plan B spielte am 18. November 2010, beim Konzert in der Essigfabrik in Köln, erstmal seine neuste Platte (The Defamation ...) runter.
Fine, fine - bu he cou du mu mo be-a:
Nach einem Fake-Abgang gab es ein Motown-Medley mit Hip-Hop-Unterlage des Beatboxers Faith SFX, der auch schon den Anheizer gemacht hatte. Genauso wuchtig wie Drews Musik ist genauso sparsam (vorsichtig ausgedrückt) ist seine gestische Variationsbreite bei der Präsentation. Nach der Pause zeigte sich aber, das Drew bei Pogo und Hiphop schon mehr aus sich herausgeht. Klasse: seine Version vom Stroma-Hit "Alors On Danse": " Ich habe keine Ahnung wovon der singt, spreche kein Französisch ..."
Das Ganze wird wohl bald im WDR-Rockpalast gezeigt werden. Nicht verpassen! Warscheinlich eines der letzten Soul-Konzerte von Benjamin Paul Ballance-Drew. Bald will er sich wieder mit Hip-Hop beschäftigen.
Neues Album
Der Supporting Act von Lady Gaga, die Band Semi Precious Weapons um den Sänger Justin - beautiful legs - Tranter bringt ein neues Album heraus.
"You Love You" heist das Werk. Die Band zeigt sich hier von der allerbesten Seite. Obwohl ihre Show sicher bemerkenswert ist, sind sie auf Platte einfach besser. Reinhören kann man hier.

Queen of Minor(ity)
Marina Lambrini Diamandis aus Wales, UK, hat schon einige Juwelen abgeliefert. Irgendwo zwischen Poison Girls, Nina Hagen, und Signe T. Anderson: Durchaus mit Reminiszenzen - dass eines ihrer Vorbilder Kate Bush ist, mag man hören - aber immer eigenständig. Trotz mehrerer Singles ("Hollywood" war ihr bisher größter Charterfolg: Platz 15 in Deutschland) wird sie, auch wenn man von einem "Geheimtip" nicht mehr sprechen kann, ein Indieact bleiben, denn sie fühlt sich im Moll sehr wohl: Zum Beispiel "Starlight" (hier klicken) und "Daddy was a Sailor". Songs, die gerade in ihrer Missachtung der Regeln für "schönen Gesang", fesselnd sind. Marina klingt mal engelsleicht, mal schmutzig. Im Schauspiel nennt man das wohl Mut zur Hässlichkeit. Dabei "nervt sie nicht", wie eine Musiksender-Ansagerin die Brillanz der Sängerin etwas plump gelobt hatte. Man kann ihr sogar etwas einfache Texte wie "This is LA" verzeihen, weil sie auch die mit einer unprätentiösen Sicherheit vorträgt. Genauso wie "Horror Pop" (hier klicken), den sie auch genauso singt, wie es der Titel vermuten lässt. Das kann sie aber mit "Plastic Rainbow" noch toppen.
Ihr letzter Versuch in die Charts hochzuklettern, "Oh NO!", ist bei aller rhythmusbetonter, eiliger Fröhlichkeit immer noch ein eher nachdenklicher Song. Und da ahnt man es schon:, die akustische Version (hier klicken) ist so viel schöner.
"Marina is a dreamer", singt sie selber. Hoffentlich bleibt das so.
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Perlen am Wegesrand
Reshà @ Gaudi Parc, Barcelona
Die Katalanen, die im Gaudi Park wohnen (ja, im von Touristen überfluteten Park wohnen tatsächlich Leute), oder am Rand dessen, müssen Nerven haben. Da wird geplinkt und geplonkt was die Saiten hergeben. Diese Beschallung von mehr oder minder begabten Straßenmusikern kann kein normaler Mensch aushalten. Ob die so Gequälten hier noch hingehört haben, wissen wir natürlich nicht - aber bei Reshà hätte es sich gelohnt. Die von der Argentinierin Maria Di Pace (Harfe, Gitarre) und dem aus Uruguay stammenden Percussionisten Leonardo Trincabelli gegründete Band macht eine so verträumte Wehweh-Sommernachmittagsmusik, dass man ganz wech ist. Obwohl sie mit ihren Auftritten auch in Konzerthäusern zuhause sein sollten (und bei ihren Touren auch teilweise sind), spielen sie auch auf der Straße. Das wertet keineswegs die hohe Qualität, das perfekte Zusammenspiel und die weichen eleganten Arragements ab. Resha spielen unaufdringlich und eigentümlich und sie geraten nie in den Bereich wo viele Solala-Bands Trance/Traum-Muzak zusammendödeln, die man nur stoned ertragen kann. Eine Platte: "Xalut Eu Rafét" und mehr Infos gibt es hier.
Aura Dione in Bochum, Zeche, 20. März 2012
Eine fürs Herz

Aura Dione, der dänische Geheimtip. Trotz "Geronimo". Für Dione ist dieser Charterfolg eher untypisch. Natürlich hat sie es gegeben, aber musste sich sichtlich zurückhalten nicht ihres Gekichers wegen zu patzen. Auch ihre Musiker hatten sichtlich Spass an der etwas dösigen Nummer. Eigentlich haben sich alle auf der Bühne über "Geronimo" lustig gemacht. Allerdings so, dass auch das Publikum seinen Spass hatte, denn Aura ist eine ganz Liebe. Passt so gar nicht in die Charts.
Was sie an diesem Abend in der Zeche, Bochum wirklich kann, konnte sie dank einer brillanten Band und eines ebenso perfekten glasklaren Sounds zeigen.
Ihre Stücke wie "Reconnect", mit dem sie ihren Auftritt beginnt, "Song For Sophie", "Antony" oder "Something From Nothing" berühren schon von der ersten Zeile an. Dazu trägt sicher ihre klare, warme Alt-Stimme bei und besonders die Fähigkeit zur Registersprüngen, nicht zufällig, nicht ungekonnt, sondern zu Herzen gehend, meinetwegen: kann man es "schluchzend" nennen. Wer sie noch kennt, wird sich sofort an Tracy Chapman erinnern, derem Gesangsstil Aura Dione erstaunlich nahe kommt.
Ja, sie kann einem die Tränen in die Augen treiben. Das liegt nicht jedem. In der Zeche waren daher nur zehnjährige Mädchen, und noch mehr Mädchen... na ja, auch Frauen jeden Alters und ... auffallend viele Männer. Es ist wohl nur nötig ihre Botschaft reinzulassen, wie der Gutmensch sagen würde, und dann klappt das schon. Schön auch, dass die Lyrics halten, was die Musik verspricht. Aura Dione schreibt kleine Perlen.
Auf der Bühne gibt sie das Girlie: mit lustig zappeligen Bewegungen, mit Doggie-Überzug über dem Miniklitzerkleid, mit Glitzer-High-Heels, auch mal mit super Tütü (genial kombiniert mit Nina-Stern im, oder besser auf dem Kopf). Das braucht eine gewisse Sicherheit und einen nicht alltäglichen Humor, beides hat sie offensichtlich.
Als sie den Cindy Lauper Song "True Colours" covert und ankündigt mit dem Satz: "DAS ist DER Song den ich gerne geschrieben hätte" und ihn so unpretenziös zu ihrem macht ist klar: Da ist eine weise Frau im Hippie-Mädchen.
Little Dragon im Effenaar, Eindhoven (NL). Vorgruppe: Chagall
Best Pop - mit Käse überbacken

Hin und wieder ist der Konzertbesuch nicht wegen der Hauptgruppe ein Erlebnis. In Eindhoven war das so. Chagall (Foto oben) ist ein "serious talent" (sie ist nicht nur nominiert für den gleichnamigen 3fm award - sie hat ihn auch verdient). Selbst der extrem miese Sound in der großen Effenaar-Halle konnte dies nicht zunichte machen. Daneben bewies sie eine große Professionalität: Hin und wieder musste sie flehend zum Soundpult schauen - große Hilfe war da nicht zu erwarten, aber aus dem Konzept hat sie sich nicht bringen lassen. Es gibt eine EP von Chagall. Einen faszinierend selbstsicheren brillanten Erstling. Erhältlich z.B. hier bei iTunes. Kaufen!

Dann kam nicht die zweite angekündigte Vorgruppe - was ich ich nur befürworten konnte - nicht dass ich Robol, wer immer das ist, nicht hören mag, aber es war einfach Zeit für den kleinen Drachen. Yukimi Nagano (oben links) kam bestens gelaunt - um nicht zu sagen aufgekratzt auf die Bühne und sie blieb auch so. Kaum zu glauben, dass sie ihren Spitznamen wegen angeblicher Tobsuchtsanfälle bekommen haben soll. Und auch Little Dragon musste sich gegen extrem miesen Sound durchsetzen.
Oh oh, welch Stümpertum! Der Gesang matschig-verwaschen, Naganos Electrodrum-Dingens, das aussieht wie ein großer Schminkkasten, gab oft gar keinen Ton von sich. Ihr Glocken-Schlagwerk wurde tölpelhaft weggesteuert. Aber sie hopste allen Kummer weg. Die bemerkenswerte Mischung aus Foxtrott, Ausdruckstanz und Tai-Chi, auch schon aus dem "Brush"-Video bekannt, kommt auf der Bühne unglaublich motivierend. Also tanzte auch jeder (die rechte Hälfte des Publikums deutlich ekstatischer - die linke brauchte hin und wieder Yukimis Ermunterung). Damit dies auch nicht fehlgehen konnte, streckte die Band die Songs in eine tranceartige Länge. Und wenigstens die funky-afro-alles-ist-in-Little-Dragon-Percussion konnte man sehr gut hören.
Sicher ist es schade um ihren Gesang. Wer Songs wie "Twice", den sie als Zugabe gab, liebt und ihre wunderbar-magische Acoustic-Version von "To Binge" gehört hat, für den war der Effenaar-Gig nicht so befriedigend. Aber um sich mit ihr an der rhythmischen Stärke der Band zu berauschen, hat es getaugt.
Verzaubernd

Marc Almond in Tunbridge Wells in der Grafschaft Kent, UK. Zu hören gab es Chansons von Aznavour, Brel, Dietrich und natürlich von ihm selbst. Die Beziehung Almonds zu dem französischen Sänger Aznavour ist von größter Verehrung geprägt. Almond erzählt von seinem Besuch eines Aznavour-Konzertes und gibt keine Ruhe, bis das Publikum dessen Leistung - auch im hohen Alter - beklatscht. Und er hat recht: "I Have Lived", wieder ein Song von Aznavour, ist wie für Almond geschrieben. Für alle, die in die klare Rolle nicht passen - may a little bit to much gay sind.
Almond singt aber nicht einfach die Lieder anderer - er macht sie zu den seinen. Der Marlene Dietrich Movie-Song "If He Swings By the String" ist fast nicht wieder zu erkennen. Die Tragik bleibt - dennoch bekommt das Lied einen Drall, der im Original nicht zu hören war.
"Mesmerising" - dieses Adjektiv liest man in vielen Kritiken und es war auch in Tunbridge Wells zu spüren. Almond fesselt sein Publikum derart, dass seine Bitte vor der Pause: "Bitte kommt wieder" und seine Erleichterung nach dieser: "always a relief", schon etwas albern wirkt. Welcher Zauberer glaubt schon, dass seine Kunst nicht wirkt.
Almond kann mir die Tränen in die Augen treiben und dabei einen eigenen, feinen Humor behalten. Das wütende "I am coming" (wieder Aznavour) ist in der Übersetzung durchsetzt, mit mit dem auch für englische Verhältnisse unmöglichen Wort "Chrysanthemums". Almond ruiniert dabei einen Strauss Chrysanthemen, bis fast nur noch der Strunk bleibt.
Seine eigene Songs handeln oft von denen, die verzweifelt suchen - nach Liebe, deer eigenen Identität, Geborgenheit oder nach dem eigenen Verstand: So beschreibt er in dem Song "My Madness And I" Demenz auf seine sehr eigene, sehr einfühlsame Art: "where will i go, when my mind starts to snow, when i am mad and alone, in my terror black home, each hour is a day with nothing do do, i am in touch with the gods, but not with you, …".
Almond ist über die vielen Jahre deutlich sicherer geworden. Das zeigt sich in seiner ruhigeren Präsenz und seinem unaufdringlichen Dialog mit dem Publikum.
Wäre da nicht eine Barriere, so wäre er schon längst als der gefeiert, der er ist: in einer Reihe mit Charles Aznavour und Jacques Brel. Aber Almond ist eine ideale Zielscheibe der Homophoben. Selbst Rowan Atkinson macht sich gerne mal über ihn lustig.
"What makes a man a man?" Es gibt keine Antwort von Almond, aber die wunderbare Version den Aznavour-Songs in dem Mann sich wieder erkennen kann - wenn es ihm nicht zu persönlich und nicht zu outing ist.
Das universelle Fräuleinwunder

Miss Li! Wer sie kennt, dem gehen schon jetzt die Mundwinkel hoch. Miss Li, das ist zuerst und überhaupt Linda Carlsson, die eine so überbordende Freunde und Albernheit versprüht, dass nur Tote sich dem entziehen können.
Sie trat am 28. September im Gebäude 9 in Köln auf (Bilder oben). Ein ziemlich abgefuckt-stylischer Club mit besonders nettem Personal. Da gehört sie mit ihrer artifiziellen Hippie-Attetüde auch hin.
So war das die pure Freude. Linda Carlsson sieht ständig so aus, als müsste sie uns etwas irrsinnig witziges erzählen und könne sich kaum noch zurückhalten. Sie ist eine von denen, bei denen man schon anfängt mitzulachen, bevor es überhaupt was zu hören gibt. Ihre Stimme klingt immer etwas zu hell und kehlig - oder besser gesagt: Wie die einer Comic-Figur. Dazu kommt eine perfekt gestylte Band: ihr Liebster, Sonny Gustafsson, als Späthippie an der Gitarre, der Bassist Clas Lassbo, der wahrscheinlich noch in zehn Jahren seinen Ausweis beim Kauf von Alkoholika vorzeigen muss und besonders Lars Åhlund, Bass, Sax u.a., der so was von cool posen kann. Das Rückgrat der Band, Edvin Nahlin am Keyboard und Bruder Gustav am Schlagzeug wirken da schon etwas zurückhaltender. Diese Truppe quarzte und trank was das Zeug hielt und holte sich so auch ihren als Werbesong verwursteten "Bourgeois Shangri-La" zurück aus der Apple-iPod-Bagwan-Sauberkeit. Die Bühne - eine der kleinsten, die ich je gesehen habe - war Linda den auch schnell zu eng.
Wenn sie nicht von der Bühne sprang und zwischen dem Publikum herumfegte, wirkte sie wie eine hypermotorische Muppetfigur. Und das ist wohl auch das Geheimnis der Band: Miss Li ist Kinderstunde, mit der Portion "Miststück" die sie auch für Erwachsene anziehend macht. Da ist z.B. das "I´m sorry, he´s mine" (Der Titel spricht für sich selbst, aber der Text breitet die Frechheit noch genüsslich aus). Bei aller Spassigkeit scheut sich Miss Li nicht vor ernsten Inhalten: "I Heard Of A Girl" z.B. erzählt trotz des Kinderrefrains eine tragische Selbstmord-Geschichte.
Linda spielt ihr Klavier mitunter etwas heftig. Auch das macht nichts. Im Gegenteil - auch das klingt lustig und es sieht noch lustiger aus.
Eine Herausforderung für Miss Li war der Auftritt im Dortmunder Konzerthaus am 30. September vor sitzendendem Publikum (oben: Linda Carlsson, Sonny Gustafsson, Lars Åhlund, Edvin Nahlin, Clas Lassbo, Gustav Nahlin). Doch auch das schreckte Linda nicht. Sie kann es überall: "Normalerweise spielen wir vor tanzendem Publikum, ihr macht mich ein wenig nervös, wie ihr da sitzt und uns überwacht. Da müssen wir wohl etwas besser spielen als sonst.". Genau das taten sie denn auch. Trotz der unterkühlten Konzerthaus-Atmosphäre liefen Miss Li gelassen zu Höchstform auf. "Wenn ihr da nur sitzt, sollte ich wohl etwas mehr reden als sonst, aber in Wirklichkeit bin ich blond und weiss nicht was ich sagen soll." Da ist sie wieder: perky girl. Die eine Hälfte (die Blonden, natürlich) stöhnen, die anderen fangen schon an zu kichern. Und Linda war sich wieder für nix fies. Hoppte auf Zuschauer-Plätze rannte mit ihrem Schellenring um das Publikum herum (diesmal eine echt weite Strecke) und sprang auch mal auf ihr Klavier: Extrem gelenkige Minnie Mouse im Rausch mit null Respekt vor dem sterilen Auftrittsort.
War das Publikum anfangs noch vor der laienhaft eingestellten Lautsprecheranlage nach oben geflohen - jetzt kamen sie zurück um zu tanzen.
Natürlich bekommt man Live von Miss Li nur einen kleinen Ausschnitt mit. Kein Klezmer, das sie so schön können, kaum Jazz, wenig slow-tempi. Dafür eine vollkommen überdreht aufgekratzte Spassband mit vorwiegend Uptempo-Ska-Rhythmen. Und natürlich geht kein Auftritt von Miss Li zu Ende, ohne die zweite Zugabe und das Lied, "das man in zwei Sekunden lernen kann", wie uns Linda Carlsson versichert: "Ba Ba Ba".
Wenn man Linda glauben soll (soll man das?), wollen sie das eigentlich nicht mehr bringen. Eigentlich. "In Schweden sind die Leute immer ganz aufgebracht, wenn wir das nicht spielen". Das wird wohl in Deutschland auch so bleiben. Und Linda hat viel zu viel Spass daran, um es nicht zu singen.
Dieses Lied wird sie wohl genau so wenig loswerden, wie ihre alten Kleider. "Ich trenne mich von meiner Vergangenheit … ", so pries sie das sehr ungewöhnliche Merchandising-Angebot in Köln an: Ihre alten Bühnen-Outfits standen im Geböude 9 (und auch wieder in Dortmund) zum Verkauf, "und sie riechen auch nicht".
Noch ein Wort zur Vorgruppe in Dortmund: Dear Reader (oben: Martin Wenk, Cherilyn Macneil, Jean-Luise Nel, Jacob Lind, Erik Sunbrink), eine südafrikanisch-schwedische-Singer-Songwriter-Konzept-Band war eine Überraschung. Da war zunächst die hohe Harmonie zwischen den Musikern, die sonst in anderen Bands spielen. Bemerkenswerter ist aber die herzerwärmende stimmige, vielschichtige Musik, die den Gesang von Cherilyn Macneil wunderbar trägt. Natürlich kämpften auch Dear Reader mit der Atmoshäre im Konzerthaus. "Das hat Spass gemacht" musste sich Cherilyn Macneil wohl auch selbst mehrmals versichern.
Und noch ein Wort zum Ort: Eine derart schlechte Soundabstimmung habe ich selten - nein!, besser: niemals - erlebt. Selbst auf einem NuMetal oder Stoner-Konzert ist es leichter, vor der Bühne zu stehen. Hier soll sich "Musik zu Hause fühlen" (Motto des Konzerthaus-"Pop-Abos")? Aus der angeblich so tollen Akustik des Dortmunder Konzerthauses haben Soundtölpel eine Folterkammer für die ersten Ränge gemacht. Eine Schande für die sanften Dear Reader. Nur Miss Li kann auch das kompensieren. So ging man beglückt - aber mit Druck auf den klingelnden Ohren.
Back to Black

Nach 27 Jahren hat sie ihr volles Programm schon beendet. Amy Winehouse, die begnadete, viel zu feinfühlige Künstlerin mit zu dünnem Rotznasen-Panzer hat sich totgesoffen oder gekokst. Offiziell ist die Ursache noch nicht bekannt. Aber man kann sich denken, wie sie sich umgebracht hat. Sie glänzte, als es ihr richtig schlecht ging. Und wie sie strahlte! Die besten ihrer wunderbaren Songs sind in dieser Zeit entstanden. Bei aller Professionalität war sie vielleicht nie ein Profi.
In mein Herz ist sie mit ihren Liedern gekommen, und so wird sie mir unvergesslich bleiben. Bye Amy.
Female Attraction
Lady Gaga: "The Edge Of Glory". Video zur dritten Single aus dem Album BORN THIS WAY.
Wir sehen sie da, wo sie hingehört: in New York. Natürlich sind es Klischee-Kulissen. Da dampft es schön bunt und da ist es viel zu sauber. Ein wenig erinnert das Set an den artifiziellen Fassbinder-Film "Querelle". Aber genau das ist der richtige Rahmen für eine animalische Gaga-Show.
Was lernen wir: erstens, Sie sie trägt das Video alleine. Und zweitens: Sie ist definitiv eine Lady, sieht "best dressed" aus, obwohl sie kaum etwas an hat. Einerseits löst das womoglich die Assozationen aus, die man bei oberflächlicher Betrachtung damit verbindet, aber, anderseits, genauerer Besehen, wirkt sie wieder einmal vollkommen autark: Das Spiel mit der Wirkung als Sexobjekt zeigt sie mehr als Subjekt. Die Botschaft ist mehrschichtig. Das Video zitiert offensichtlich diverse Zeichen und Habits aus dem Bereichen Sexualität, Pornografie, etc. aber es passt nichts zusammen. Wo dies bei andern Künstlern ein Versagen anzeigen würde (unklare Botschaft, schlechtes Drehbuch, oder schlechte Ausstattung) hat es bei Gaga Methode. Und die führt zu einem Video das bei allen Brüchen absolut stilsicher ist.
Daneben ist das "The Edge" aber durchaus auch trendy: Die archaische Welt- und Menschensicht vom neutral gekleideten Weibchen, dass derart "neutrumisiert" nicht mit Übergriffen rechnen muss, verärgert wohl einige zu Recht so sehr, dass sie für ihr Recht "freaky" zu sein, auf die Straße gehen (siehe auch Slut Walks: hier klicken).
"The Edge ..." ist, schlicht betrachtet, ein Love-Song, genauer besehen, Gagas ständiges Thema: Right on the limits where we know we both belong ...
Full Metal Foam Party

Ozzy Osbourne, Oberhausen 13. Juni 2011 (Suporting Act: Black Label Society)
Bevor der Mann mit dem schlimmen Rücken in Oberhausen seinen zweiten Anlauf nehmen konnte (das Konzert im Herbst 2010 wurde abgesagt - ob wegen Bandscheibenschaden oder Kartenverkaufsfiasko, ist jetzt wohl egal, gab Zakk Wylde mit seiner BLS ordentlich was auf die Ohren. Leider war von seiner Bandbreite nicht so viel zu merken. Sturer 4/4 und immer die gleichen wilden Gesten. Das Wylde mehr drauf hat, als Hägar den Schrecklichen, wissen nicht nur Fans. Denen, die brav ihre Colors trugen, hat das aber womöglich gereicht. Mir denn aber auch: Die üblichen Soli wirkten sogar etwas entnervend. Aber die Black Labels waren weiter fleissig, und spielten fast 90 Minuten.
Schnelle Umbaupause und Er kam auf die Bühne geschlurft. Das Wirbelsäulenproblem ist offensichtlich. Aber nicht Alter oder Gebrechen sind interessant – sondern Charisma. Und Ozzy hat es einfach. Sein Auftritt - eine Mischung aus Kindergeburtstag, Wiedersehensparty und Rockshow war purer Spass. Auch für Osbourne, der sich sichtlich diebisch freute, dass das Publikum wie wild alles mitmachte, was er einforderte. So haben alle die Hände geschwenkt, dann wundgeklatscht, mitgesungen, "Ozzy Ozzy" gebrüllt und dann wieder Hände geschwenkt. Damit das auf keine Fall fehlgehen konnte, verzichtete der Ozzman auf neue Songs seiner letzten Platte "Scream" und bot stattdessen alle alten Hits: "Mr. Crowley", "Shot In The Dark", "Bark in The Moon", und of course: "Mama, I´m Coming Home", da war er natürlich auf der sicheren Seite.
Nach dem trockenen Rumpel Pumpel der Band seines ehemaligen Gitarristen war das eine klasse Demonstration: Osbourne muss nicht den Kinderschreck bieten, er kann es sich leisten, Lieder zu singen, statt böse zu shouten. Und trocken gelassen hat das sicher keinen. falls doch – wer in der Reichweite von Ozzy stand, wurde reichlich begossen und mit der Schaumkanone eingeweicht, bei deren Bedienung der "Fürst der Finsternis" sichtlich immer mehr Freude hatte. Mut zur Albernheit kann so viel mehr sympathisch machen, als den wilden Mann zu geben. Da scheint sich eine gewisse Altersweisheit dann doch auszuzahlen.
Und Gus G. an der Gitarre? Der hat in Oberhausen jede Erinnerung an Zakk verblassen lassen. Und ein besserer Poser ist er auch noch. Gilt auch für Tommy Clufetos an den Drums: Bei Ozzys Band war einfach alles saftiger.
Schwarzer Vogel

Polly Jean Harvey im Paradiso in Amsterdam (31. Mai 2011): Eine brillante Kombination. Harvey, die sich nicht nur angeblich "immer neu erfindet" in einem Auftrittsort, der seines Gleichen sucht. Und natürlich war dieser Auftritt bestens inzeniert. Eine Jahrhundertwende-Halle wie eine Kathedrale, "total" ausverkauft (und das schon den zweiten Abend). Während die Band in der rechten Häfte spielte, beanspruchte Harvey die linke. Dort kam sie für jeden Titel aus dem Dunklen in einen kalten Single Spot, sang und verschwand wieder nach hinten in die Schwärze. Normalerweiser wäre zuerst die Musik das Thema - hier ist es aber der Auftritt. Harvey hat sich derart in Szene gesetzt, dass dies auch gebührend gewürdigt werden muss. Polly "ohne Scherenhände" - wie die Hauptfigur aus einem Tim Burton Movie, das Taftkleid weht sanft im Ventilatorstrom, das Bonage-Korsett wie ein bizarres Bauteil. Sie spricht nicht mit dem Publikum, antwortet auch auf diverse Liebesbekundungen nicht, lächelt nur gütig und spielt das, was auf ihrer Set List steht, meist so wie es auf Platte zu hören ist. "Let England Shake" hauptsächlich, aber auch die schwarzen Songs wie "Piano" vom Album White Chalk. In der Live-instrumentierung, klingen diese nicht so abgrundtief traurig. Immer haben Harveys Songs eine magnetische Wirkung. Die Stimme hoch, machmal quälend gebrochen, eine schnarrender Soundteppich, der sich langsam unter die Haut des Hörers schleicht. Zu den seniblen Texten Harveys gibt es genau die Komposition die dazu gehört. Harvey ist über jeden Verdacht der Attitüde erhaben.
Humble and Proud!

Imalda May ist leider noch ein Geheimtipp. Leider? Obwohl ich ihr und Ihrer Band ein langes und erfolgreiches Leben wünsche, kann ich mir die Freude an der sehr kleinen Halle (Zeche Carl, Essen, 21. Mai 2011), in der Imelda May auftritt, nicht verkneifen. Auf die Bühne kam May etwas missgelaunt - nur zwei Titel später strahlte sie. Die Band hat Rockabilly nicht erfunden, aber sie kommt genauso rüber: Imelda im engen Bat-Kostüm und Lackleder-High-Heels, ihr Mann Darrel Higham im chromglänzenden Anzug - wie aus den Fünziger Jahren aufgetaut, die Instrumentierung klassisch mit Double Bass und geschickt eingesetzem Bläser. Aber eben nur beinahe wie aus den Fünfzigern, den die Band ist nicht stilsicher - sie legt einen eigenen Stil fest. Zwischen Pin Up, Comic und Burlesque bewegen sie sich absolut sicher. Imelda May ist längst ein Icon, nicht nur wegen der absolut sicher sitzenden Tolle. Dabei kommt sie nicht aus Memphis sondern aus Irland. Jazz, Soul und natürlich Rockabilly: klingt immer wie May.
Und wenn sie singt, wirkt das wie eine Glücksdroge, die sofort wirkt. Offensichtlich auch auf sie selbst (siehe oben). Ein bühnengeborenes Talent. Imelda und auch die übrige Band, verhalten sich so, als hätten sie niemals etwas anderes gemacht. Dabei erscheint es weniger so als würde man einer Band auf der Bühne zusehen, eher als wäre man zu Imelda May ins Wohnzimmer eingeladen. Wunderbar wie sie mit dem Publikum flirtet: Das Cover von "Tainted Love" gibt ausgiebig Gelegenheit zum mitmachen (hier klicken).
Natürlich hat hier jeder ein Soli. Der Drummer Steve Rushton hält das minutenlang durch, Al Gare wuchtet seinen Kontrabass dafür extra an den Bühnenrand. - Nicht nur Darrel und Imelda (Bild oben) sind begeistert - dem Ganzen kann man nur wippend und mit breitestem Grinsen folgen. Der Auftritt zeigt eine Band mit großer Sicherheit und kein bisschen Überheblichkeit: "Humble and Proud" eben.
Nach der zweiten Zugabe verabschiedet sich Darrel überraschend mit dem Star Trek Vulkan Greeting. Da bleibt auch mir nur zu sagen: Live long and prosper!
Ups! She did it again.
Comedy-Monster
So gemein! Aber wenn schon Gagabashing sein muss, dann wenigstens originell. Und hier kriegen auch andere ihr Fett weg, außer… Britney. LA COACHA kann fieser sein, als jeder Chauvi. Wer so gute Zähne hat, darf wohl kräftig zubeißen ... und singen kann sie auch noch. Diesmal sind die Xtina-Fans am schwersten getroffen. Aber deren Aktion, das La-Coacha-Machwerk als rassistisch zu brandmarken, kann nur in Lächerlichkeit enden. Notice: She is to pretty to jail: Mehr von LA COACHA auf ihrem YouTube Kanal (hier klicken).
Wer ist Nazi? - Wie Lars von Trier sich mal ziemlich unbeliebt machte.
Festspiele Cannes, Pressekonferenz zu Melancolia. "Ich bin sehr für Juden - aber nicht zu sehr, weil Israel absolut schrecklich ist" sagt von Trier. Und später: "Ja, ich bin ein Nazi."
Jetzt ist er eine unerwünschte Person und darf nicht mehr mitspielen, das heißt er dürfte nicht mal einen Preis für seinen Film abholen, falls "Melancholia" einen gewinnt.
Warum? Ist das ein Grund für die Ächtung. Ist er ein Nazi? Wer von Triers Filme "Dogville" oder "Manderlay" gesehen hat, kann das nicht bei wachem Verstand behaupten. Aber was hat er jetzt getan: Er hat ein Tabu verletzt: "Ich verstehe Hitler", das hätte von Trier natürlich nicht sagen dürfen. Dabei ist "Verstehen" doch eine gute Sache. Nur wer das Wort fälschlich mit Übereinstimmung gleichsetzt, kann hier in die Irre gehen. Nazis wohnten und wohnen in uns. In jedem von uns. Das wollte von Trier sagen. Jetzt entschuldigt er sich natürlich, was das Zeug hält. Für eine richtige Feststellung. Von Trier ist ein Nazi? Diese Hexenjagd hat auch damit zu tun, dass in vielen erkrankten Ländern eine Verarbeitung der Nazizeit immer noch nicht abgeschlossen, ja - vielleicht noch nicht mal richtig begonnen hat (das betrifft nicht nur Deutschland). "Nazis", das sind nach wie vor die schwarzen Aliens, die das arme Volk ganz schrecklich gedingst haben.
Viele, sehr viele, waren sehr zufrieden mit den Nazis, weil es billige Möbel gab, schicke Wohnungen und Häuser, Unternehmen, und und und: der Massenmord hat sich gelohnt und tut es immer noch. Das gab es sowohl in Deutschland, wie auch in Frankreich. Auch dort tut man sich immer noch schwer damit die dunklen Seiten zu verarbeiten, der "Großen Nation" unter Einfluss.
"Nationalsozialismus" das war also ein System, das von der Mehrheit der Bevölkerung getragen wurde. Die Drecksarbeit haben die Schläger gemacht, profitiert haben die Bürger. Noch heute ist Misstrauen gegenüber dieser schweigenden Mehrheit angebracht. Diese Leute sind als "Mitläufer" untergetaucht und haben ihren Geist an die folgenden Generationen weitergegeben. Demokratie ist für sie praktisch, aber nicht immer so wirklich wichtig.
Da tat Reinwaschung Not. So hat man sich darauf geeinigt, dass man Nazis an Schlüsselwörtern und Äußerlichkeiten erkennt. "Ich verstehe Hitler", das hätte von Trier natürlich nicht sagen dürfen. Er ist in die Falle getappt und er muss büßen.
Lange hat eine kleine Schar von Überlebenden den Rest mit dem Ruf: "Nie wieder!" gewarnt. Dabei war das nie, wirklich nie, die Frage. Die Nazis aus dem "Dritten Reich" sind und bleiben Geschichte. Sie kommen nicht wieder. Sie taugen nur noch für einen Spielberg-Film oder als Provinzschreck in wirklich öden Landstrichen.
Aber ihr Geist lebt. Er kommt nicht proletenhaft in Braun oder Schwarz mit gewichsten Stiefeln daher. Er ist viel bürgerlicher als uns lieb ist. Er ist Element der Bourgeoisie. Dieser Geist ist wohl durch Cannes gezogen.
Update: In einem Interview mit der englischen "Empire" brachte von Trier seine Äußerungen auf den Punkt: "Ich glaube, in jedem von uns steckt ein bisschen ein Nazi und es war genauso ein bisschen Mensch in Hitler. Ich denke, wenn man das leugnet, dann ist das gefährlich". Für den "Stern", der sich mehr und mehr zum tumben Boulevardblatt degradiert, ist das eine "heikle" Äußerung (hier klicken). So wird auch gleich von "braunenm Sumpf" schwadroniert. Und wer mal in das Fadenkreuz der tumben Politpolizei gekommen ist, der darf auch keine Witze mehr machen. "Mein Vater wahr ein Deutscher darum habe ich mich selbst Nazi genannt", das ist zuviel für den braven Stern.
Gut das sich Lars von Trier - gerade bei einem solchen Thema - nicht von Ignoranz gängeln lässt.
Lady Gaga - unterwegs auf dem Highway mit zwölf harleyfahrenden Aposteln und einem dornengekrönten Herrn.
Sehendes Auge
Von der Liebe zu JUDAS erzählt die neue Single vom "Fame Monster", wie Gaga auch gerne mal abfällig von Musikpäpsten genannt wird: "Wenn er zu mir kommt, werde ich seine Füße mit meinen Haaren waschen" … "Auch nach dem dritten Mal betrügt er mich." Diese Liebe ist eher ein Kampf: "Ich bringe ihn zu Fall, den König ohne Krone". Der kann natürlich nicht gewonnen werden und wird ewig so weitergehen, denn: " ich bin ein heiliger Narr … , ich liebe ihn noch immer". Nur wegsehen hilft: "seinen betrügerischen Weg" zu vergeben. Die geniale Zeile (jeder Gaga-Song mit mindestens einer brillanten Analogie) in JUDAS: "Unsere Liebe ist wie ein Stein, mit dem man ein Haus bauen oder einen Toten versenken kann."
Hier geht es nicht um den klassischen Betrug, oder gar Fremdgehen, vielmehr um eine destruktive Abhängigkeit, eine selbstzerstörische Art zu leben. Musikalisch folgt JUDAS dem Inhalt. Da halt sie sich nicht lange auf. Schnell setzt ein teuflischer Schmiedehammer-Rhythmus ein: mit Volldampf geht´s in tiefste Tiefen. Der Bruch zu einem hymnisch-euphorischen Teil macht JUDAS wieder zu einem typischen Lady Gaga Song. Ich bin "ein Narr", aber was solls, lieber noch einen Zahn zulegen ...
Die Verbindung von religiösen Zitaten und Hard Core (bezogen auf gleich mehrere Bereiche) ist für einige schlicht zu starker Stoff. Das führt in den USA zu grotesken Gegenveranstaltungen während der Konzert-Termine. Da wird die FOX-These, dass Gaga "Gift für unsere Jugend" sei, gefeiert: ... der Schlüssel für das Tor zur Hölle, postulieren Fundamentalisten, deren Sinn für Selbstanalyse schon immer eher beschränkt war, sei eine Eintrittskarte zum Monster Ball. Deren Eifer wird Gagas Spott ("Da sind dreitausend Leute in meiner Warteschlange und bei Euch ist kein Einziger." GAGAVISION 41) auch nur anstacheln.
Durch den Song JUDAS fühlen sich diese heiligen Krieger ganz sicher wieder gereizt. Scheint denen der Song doch geradezu eine Parole vorzugeben: "Jesus ist meine Heilung, aber Judas ist der Dämon an dem ich hänge". Gagas Texte sind keine Reaktion auf diese Fanatiker. Ihre Motivation geht tatsächlich von einem Glaubensbild aus, dass im besten Sinn schamlos und - wie es optimistisch in JUDAS heißt - wohl eher eine zukünftige Sichtweise zeigt. "Ich bin über Reue hinaus", heißt es da. Das wird ganz sicher allzu gerne missverstanden, ist es doch eine Provokation für alle, die Reue als ach so praktischen Wert sehen, als Ablass für alles und jedes (bereuht wird immer noch regelmäßig am Samstag nachmittag, dann ist man wieder sauber für die Woche - so hat sich der christliche Reue-Begriff bewährt als Motor für jedwede Schandtat), oder als als Moralpeitsche ("Das wirst du bereuen!"). Leben muss nicht mit engen Grenzen und Verleugnung einhergehen, ist aber schwerer zu handhaben: "Nutte des Ruhms, Prostituierte, kotzt ihren Verstand aus" (JUDAS). Wer sich vor solchen Botschaften schützen will, der sollte dem empfielt Gaga einmal mehr "ein Ohr-Kondom" zu tragen.
Und natürlich soll es nicht ungesagt bleiben: Katholiken, wie auch Gaga eine ist, machen oft die besten Texte. Die Bibel zu kennen, erleichtert das Brainstorming. Gagas Lyrics sind natürlich keine über jedweden Widerspruch erhabenen wissenschaftlichen Abhandlungen. So hat sie es schon mit dem Song BORN THIS WAY angeblich mit einigen Queer-Clubs verschissen, die sie gerne als Jeanne d'Arc der Gay-Com benutzt hätten. Hach!, so ein Pech. Dennoch bleibt es weiterhin allemal besser Gagas Songs als Anstoß zum Denken zu nehmen, als als Steine des Anstosses zu werfen.

Anna Calvi, Sonntag, 03. April 2011, Stadtgarten (Studio 672), Köln
Lieb und böse.
Bei einem Calvi Concert hat man es gleich mit zwei Personen zu tun: Wenn Sie singt, dann ziemlich wilde, dazwischen ist sie eher milde.
Doch bevor wir zum Hauptact kommen: Größtes Lob für Herrn Stefan Honig. Der etwas konfus deherkommende Düsseldorfer Singer/Songwriter hat einen guten Auftritt als "Vorgruppe" hingelegt. Zwar mag das kokettieren mit der eigenen Unzulänglichkeit ("ich habe meine Setkarte vergessen, … ich spiele im Sitzen noch schlechter Gitarre"…) etwas seltsam erscheinen, für einen Sänger dieser Klasse, aber allzu gespielt erscheint es auch wieder nicht. Das war ein Abend der bescheidenen Größen. Honigs Songs sind kleine Perlen. Warum er weitgehend unbekannt ist? Angesichts dieser Stimme und Stimmigkeit ein Rätsel. Ein Blick auf seine Seite (hier klicken) lohnt!
Dann Warten. Als Clavi dann nach einer Stunde endlich kommt, ist das keine Minute zu früh. (Wer hat sich eigendlich dieses nervige Verspätungs-Ritual bei Konzerten erdacht?). Schon nach einem Song ist der Ärger vergessen.
Wo Anna Calvi noch entspannt singt, müssen andere schon heftig pressen und wenn sie aufdreht, ist die Hölle los. Ihre Gesangstechnik ist bemerkenswert. Ohne Mühe, ohne "Knödeln" kommt sie in extreme Resonanzbereiche.
Nach einem langen Weg ist es ihr gelungen, diese gewaltige Stimme nicht nur "pour l´art" einzusetzen, sondern sie so perfekt für ihre Lieder zu nutzen, dass es den Hörer tatsächlich wegreisst in eine andere Welt. Es war wohl ein langer Weg für sie, von der Gruppe "Cheap Hotel" über die ersten Solo-Versuche, bis heute. Aber der hat sich gelohnt.
Dabei wirken die Songs nicht perfekt. Eher wie der Soundtrack zu einem starken B-Film. Oder wie allerbeste Morricone-Musik. Auffällig ist der Kontrast zwischen der Sängerin, die mit einem wüsten "Euch werd ich´s besorgen"-Gesichtsausdruck ihre Lieder in das Publikum schießt, und der schüchternen, schmalen und trotz Zehn-Zentimeter-HighHeels noch kleinen Frau Calvi, die leise "Wie gehts´s?" und "Danke", ins Mikro piepst und sich wie ein kleines Mädchen über den Applaus freut.
Sobald sie auf der Bühne ist, geht sie eine innige Beziehung mit ihrem Mikro ein, krallt sich daran fest und ob dann das Publikum für sie noch vorhanden ist, das scheint fraglich. Wenn sie singt, wirkt sie etwas weggetreten, manisch, oder besser gesagt: besessen. Was da aus ihr herausjagt, kommt wohl tatsächlich aus tiefsten Tiefen. Häufig wird ihr Übertreibung vorgeworfen. Das kommt wohl von Musiktheoretikern. Für Menschen die sich nicht ständig versichern müssen, dass sie Gefühlen nicht zu nahe kommen, ist Calvi ganz richtig. Denn obwohl sie optisch verdammt cool wirkt, ist die Musik genau das nicht.
Da sie sich eine Verletzung am Arm zugezogen hatte, konnte daher nicht alle ihre Lieder selbst auf der Gitarre begleiten. Das hat sie stimmlich ausgeglichen. Dennoch wirkte sie auch nach dem letzten Song nicht müde. Wann ein Calvi-Konzert zu Ende ist, scheint eher Molly Harpaz zu bestimmen. Die muss nämlich das indische Harmonium pumpen, das den einzigartigen Calvi-Musik-Sound produziert, und dazu noch mit Händen und Füssen die Percussion besorgen und ist am Ende ganz schön fertig.
Born This Day: Happy Birthday, Gaga!

Lady Gaga was Born This Way and now she is celebrating her 25th B´day in Los Angeles at March, 28th.
I would not explain why i wish a happy birthday - in normal case. Of course if you "Gaga for the Lady" (Headline stolen from Vanity Fair. I am apologizing.), nothing is a normal case. So is this not just a best wish, but rather be an acknowledgment. To follow this woman means at last start thinking about personhood.
Do not say this should be done in the youth. Often enough nothing is done - just fighting has ended in a life staked in comfort, preset by the expectations of your parents, partner, friends, colleagues, and so on.
Gaga is not only an amazing gifted, unrivaled artist - she is necessary! In a time of asserted individuality she is like a alien born in a territory of real characters.
Of course, we read in every media about the decade of individualism, the fun oriented youth and so on. But if you risk a closer look you see a maximal negative and reactive spirit in the western hemisphere. The former prospering systems fight for a place in the globalized hell and conformation the key to be a part of it.
It is a little, "by the way" adaptation. You are not pressed to marching in lines, have not wear a uniform, you have just say what is expected from you. Your fortune is wrapped in opportune. And - a real progress - it needs no longer a cruel suppressor, no murmuring imperator, no big boss - we form us compliant by ourselves.
This may explain the edacious adoration for Gaga. She is an icon, stands for going the own way. Gaga is not a protest singer. No dreamer of allmighty hope. Just a statementto stay brave, even though insulted as a freak. Of course she could not be everybody darling. Not at least, she is so sucsessful now, that some people do not take her for an serious artist with a message. This would mean: an thru artist has to be poor, unsuccsessful, at the best he would be dead. That´s the bourgeois concept of art.
it´s not possible to pigeonhole Gaga. Her art, her lyrics - nothing fits in a cage of political correctness. She is a real modern artist and she makes one look realy old: the picture of the obdurate missionary, depressiveand intensional unsuccsessful musician, fighting for the "right thing".
Would she force changing of something? Maybe - but this is not the question. Gaga is a sample - not a command or instruction. There is no secret code or political program. It´s on us to be a queen or a king - what this means? It is on us as well.
All you can depend on is that Gaga is self-confidence and unpredictable acting driven by the love of her fans. I saw her at three MonsterBalls and it was to notice, that she was often totally stunned by the concentrated passion of the audience. She is acting like a mother who take care of her lil´ monsters in this cold time, but obviously she had not expected the feedback. If anybody ever sayed Gagas success is calculated, this shows what is really going on.
Again Again: Happy Birthday, Gaga!
(There is just one thing, I really miss: A ticked for the Los Angeles Monsterball at March, 28th)
Fragen über Fragen: Gaga Google Interview.
Lady GaGa lässt sich per Google befragen. Da kann jeder fragen, was er will, und GaGa wird antworten - vielleicht. Erwartungsgemäß wird diese Möglichkeit eine Flut von Fan-Fragen provozieren! Egal. Die letzte Möglichkeit eine Frage zu stellen, die ihr interesse hervorruft, ist der 18. März 11:59 (Pacific Standard Time = acht Stunden später als in good old Germany). Fragen sollten an http://www.youtube.com/ladygaga gerichtet werden, oder getwittert (hashtag #GoogleGoesGaGa). Damit es nicht zu viele Fragen werden, können die Klein Monsters die besten auswählen unter http://www.youtube.com/ladygaga (die beste anklicken).
Update: Hier das komplette interview.
Smells like Gaga
In bester Laune zeigen sich Nicola Formichetti und Lady Gaga nach Präsentation der Mugler-Damenmode im NYT Interview von Suzy Menkes (hier klicken) nachdem sie das Modelabel (from now on just "Mugler") - zumindest stilistisch - übernommen haben. Höhepunkt des Interviews ist die die Info, dass das kommende Gaga-Parfüm die Molekülstruktur des Blutes (!) der Künstlerin enthält. "So kann sich jede Frau fühlen wie ich."
Auch die von Formichetti entworfene Kollektion enthält die von ihm gewohnte hohe Dosis Gaga und kann schlicht als extracool bezeichnet werden. Die Entwürfe sind teils eher Kunstobjekte. Als Ausstattung für einen Science Fiction taugen sie auch ohne weiteres. Daher ist Gaga auch gerne für Mugler auf den Laufsteg gegangen - und liefert einen professionellen, aber in den USA eher als subversiv gesehenen Auftritt ab. So wurde das Video bei YouTube wohl eher wegen Gagas Fluppe für den unangemeldeten Benutzer gesprerrt, als wegen der transluzenten Oberteile. Die Musik zur Show stammt natürlich auch von ihr.
Über die gegenseitige Inspiration berichten Formichetti und Lady Gaga auch im im CNN-Interview (hier klicken). Nur auf die ewig wiederkehrenden Frage nach dem Kalkül: "Wie macht man diese Kreativität erfolgreich?", wollen sie nicht mehr antworten: "Stop analysing everything".
Message sended from Alien Territory.
Gagas "Born This Way"-Video ist ihr Start in die künstlerische Zukunft.
So haben es die kleinen Monster erwartet. BTW ist ein Manifest von der zweigesichtigen Mother Monster. Was das heist? Erlaubt sei es, ihr die Äußerung eines ihrer Idole in den Mund zu legen: "Ich mag es nicht, meine Songs zu erklären" (Freddie Mercury, Queen). Aber natürlich wird sie nicht so einsilbig bleiben. Die Lady ist so ein "liebes Mädchen" (Gaga) und erklärt jedem gerne alles - immer gerade so, wie es ihr in den Sinn kommt. Dabei ist "Born This Way" ein gewaltiger Denk-mal-selbst-Brummer.
Wie der Song thematisiert das Video den Mut zum eigenen Ich. Ein zweieinhalbminütiges Intro zeigt uns das Government Owning Alien Territory (G.O.A.T.) in Space, wo Mother Monster zuerst das Gute und dann auch das Böse gebiert, das wiederum ohne das Gute sein kann und es sogar schützt. Diese Synthese ist für die meisten Menschen, auch für die, welche mit Gaga nichts am Hut haben, keine Freud, sie ist im Alienland zu Hause. Und das kann gar nicht weit genug weg sein. Kommt es zu nahe, werden sie ungemütlich. Die Botschaft ist nicht eindeutig, und gerade deshalb brillant.
Wie oft habe ich versucht, diese Komplexität in politische Botschaften zu packen und wie oft wurde das Ergebnis wieder verworfen. BTW ist mir mehr wert, als viele einfache, scheinbar klare, aber meist nur verlogen eigeninteressierte Lügen. Natürlich ist mit ihrem zweiten Album auch die zweite Runde des Gaga-Bashings angeläutet. Doch hier möchte ich mal wirklich von Gaga lernen. Die nimmt diverse Breitseiten von diversen Missionary Men freundlich lächelnd hin. Beschimpfungen von anderen hört man dauernd - von ihr hört man keine. Also hier auch nichts zu den allerneusten Bizarros, wie: "Klingt wie", "ist rassistisch" (!), "sexistisch", usw.
Das Videos
ist sichtlich von einem Fotografen realisiert worden. Nick Knight denkt nicht in Handlungen, vielmehr in Bildern. Gaga vergöttert ihn, das liegt sicher auch daran, dass er ihre Bildsprache in einen Film umsetzen kann. So ist BTW eine pure Gaga-Show: Brüchig, high end-trashig, und mit sichtlichem Spass vollbracht.
Dabei beweist Gaga Mut zur Unstimmigkeit. Ihre Zahnlücke überbetont, die Knochen wachsen ihr aus der Haut - ein Alien eben. Ein Sexsymbol sieht sonst anders aus - sonst.
Dont be a drag - just be a queen!
Kaum veröffentlicht, gibt es Interpretationen. Zu dieser von Maria Aragon twittert Lady Gaga: "Can't stop crying watching this. This is why I make music. She is the future.". Zum Monsterball in Toronto am 3. März lud Gaga die Zehnjärige für ein Duett ein (hier klicken).
Aufruhr im G-Universum. "BORN THIS WAY" über iTunes erhältlich! Zwei Tage vor dem ursprünglich geplanten Release-Datum! Lady GaGa konnte es einfach nicht mehr aushalten - die klein Monsters offensichtlich auch nicht: In kürzester Zeit fährt BTW den "record for fastest selling No 1 single" ein.
Dabei ist der Erfolg nicht nur dem perfekten Marketing zuzuschreiben. BTW ist die Quintessenz der Gaga-Li´l-Monster-Interaktion, eine Art Hymne auf das Recht so zu sein, wie "E.R" uns geschaffen hat (Lyrics hier).
Die humanistische Botschaft, die der Autor Wacht auf Spex.de zurecht eine "Freiheitshymne" nennt, donnert in eine durch Vielfältigkeit verängstigte Gesellschaft.
Wie wohl ein Satz wie "GOD MAKES NO MISTAKES" in dem Zusammenhang mit "NO MATTER GAY, STRAIGHT, OR BI, LESBIAN, TRANSGENDERED LIFE - NO MATTER BLACK, WHITE OR BEIGE - CHOLA OR ORIENT MADE" auf diverse Fundamentalisten wirken wird, insbesondere da Gagas Song ganz und gar keine, sich im Voraus entschuldigende Protestsong-Opfer-Attitüde hat.
Die Musik? Ist ein Meisterwerk an Gaga-Rollercoaster-Choreografie. Obwohl der Grundrhythmus gleich bleibt, wird BTW immer mächtiger. Die "Klingt wie ... "- Kritiker haben sicher ihren Spass und übersehen wieder einmal, dass die wahre Stärke im Wissen liegt, wie man es richtig macht. Gagas Dance-Thunder-Redux reisst sofort mit, beschleunigt noch, lässt dann den Hörer kurzzeitig schneller laufen, und versetzt ihm dann den finalen Schub.
Born This Way Remix
Mugler goes GaGa. Für die Männermodenschau von Thierry Mugler am Donnerstag 20. Januar 2011 in Paris hat Lady Gaga einen Remix ihres neuen Songs bereitgestellt. Aus dem Song, der am 13. Februar veröffentlicht werden soll, hat sie einen House-Kopffilm gemacht, der an ihre Exorcist- und Puke-Interludes erinnert und wenig mit dem Stück "Born This Way" zu tun hat. Passend dazu sieht die von Nicola Formichetti gestaltete Mugler-Show aus wie eine Fortsetzung des Monsterballs. Perfekte Synthese aus filthy Beats und Düsteratmosphäre. Die Qualität der Mode ist dabei natürlich vollig irrelevant
Den Text ihres neuen Songs konnte Signorina Gaga einfach nicht mehr für sich behalten. Nur zu gerne hat sich sich von den Fans per Twitter zum leaken drängten lassen und die 'Born This Way'-Lyrics am 28. Januar veröffentlicht. Neu an diesem Song ist die klare Botschaft. Waren ihre Lyrics bisher oft assoziativ, ist dieser eindeutig.
BORN THIS WAY
WRITTEN BY: LADY GAGA
PRODUCED BY: LADY GAGA, FERNANDO GARIBAY, DJ WHITE SHADOW
MIXED AND ENGINEERED BY: DAVID RUSSEL
INTRO:
It doesn't matter if you love him, or capital H-I-M
Just put your paws up
'cause you were Born This Way, Baby
VERSE:
MY MAMA TOLD ME WHEN I WAS YOUNG
WE ARE ALL BORN SUPERSTARS
SHE ROLLED MY HAIR AND PUT MY LIPSTICK ON
IN THE GLASS OF HER BOUDOIR
"THERE'S NOTHIN WRONG WITH LOVIN WHO YOU ARE"
SHE SAID, "'CAUSE HE MADE YOU PERFECT, BABE"
"SO HOLD YOUR HEAD UP GIRL AND YOU'LL GO FAR,
LISTEN TO ME WHEN I SAY"
CHORUS:
I'M BEAUTIFUL IN MY WAY
'CAUSE GOD MAKES NO MISTAKES
I'M ON THE RIGHT TRACK BABY
I WAS BORN THIS WAY
DON'T HIDE YOURSELF IN REGRET
JUST LOVE YOURSELF AND YOU'RE SET
I'M ON THE RIGHT TRACK BABY
I WAS BORN THIS WAY
POST-CHORUS:
OOO THERE AIN'T NO OTHER WAY
BABY I WAS BORN THIS WAY
BABY I WAS BORN THIS WAY
OOO THERE AIN'T NO OTHER WAY
BABY I WAS BORN-
I'M ON THE RIGHT TRACK BABY
I WAS BORN THIS WAY
DON'T BE A DRAG -JUST BE A QUEEN
DON'T BE A DRAG -JUST BE A QUEEN
DON'T BE A DRAG -JUST BE A QUEEN
DON'T BE!
VERSE:
GIVE YOURSELF PRUDENCE
AND LOVE YOUR FRIENDS
SUBWAY KID, REJOICE YOUR TRUTH
IN THE RELIGION OF THE INSECURE
I MUST BE MYSELF, RESPECT MY YOUTH
A DIFFERENT LOVER IS NOT A SIN
BELIEVE CAPITAL H-I-M (HEY HEY HEY)
I LOVE MY LIFE I LOVE THIS RECORD AND
MI AMORE VOLE FE YAH (LOVE NEEDS FAITH)
REPEAT CHORUS + POST-CHORUS
BRIDGE:
DON'T BE A DRAG, JUST BE A QUEEN
WHETHER YOU'RE BROKE OR EVERGREEN
YOU'RE BLACK, WHITE, BEIGE, CHOLA DESCENT
YOU'RE LEBANESE, YOU'RE ORIENT
WHETHER LIFE'S DISABILITIES
LEFT YOU OUTCAST, BULLIED, OR TEASED
REJOICE AND LOVE YOURSELF TODAY
'CAUSE BABY YOU WERE BORN THIS WAY
NO MATTER GAY, STRAIGHT, OR BI,
LESBIAN, TRANSGENDERED LIFE
I'M ON THE RIGHT TRACK BABY
I WAS BORN TO SURVIVE
NO MATTER BLACK, WHITE OR BEIGE
CHOLA OR ORIENT MADE
I'M ON THE RIGHT TRACK BABY
I WAS BORN TO BE BRAVE
REPEAT CHORUS
OUTRO/REFRAIN:
I WAS BORN THIS WAY HEY!
I WAS BORN THIS WAY HEY!
I'M ON THE RIGHT TRACK BABY
I WAS BORN THIS WAY HEY!
I WAS BORN THIS WAY HEY!
I WAS BORN THIS WAY HEY!
I'M ON THE RIGHT TRACK BABY
I WAS BORN THIS WAY HEY!.

Und wieder ein amerikanischer Traum: im "glee club" werden aus Loosern Stars.
glee
Öffne dich für die Freude am eigenen Talent! Nun ja, aufmunternde Imperative hört man immer wieder in der US-Kultur. Das "Du kannst alles schaffen"-Credo gibt es auch in "glee", aber die jetzt auf Super-RTL in deutscher Synchonisation gezeigte Überflieger-Soap bringt das überraschend sympatisch und öfter auch schreiend komisch. Ein netter Lehrer will eine Gesangsgruppe an einer High School mit Außenseitern aufbauen - gegen mannigfachen Widerstand. Die Kombination aus Musical und Sitcom arbeitet mit den vertrauten Charakteren der amerikanischen TV-Unterhaltung, spielt aber mit diesen Klischees so bewusst offensichtlich, so originell und dreist, dass sie den Erfolg verdient hat. Mit großer Häme beschäftigt sich "glee" mit der Bigotterie, die nicht nur den Teenies in den USA das Leben schwermacht. Der Lebensentwurf des amerikanischen Bürgertums, welcher sich pseudoerwachsen gegen jede Begeisterung stellt, die sich nicht in Cash umwandeln lässt und diese als kindisch denunziert, steht ebenfalls auf der Abschussliste der "glee"-Autoren.
In den USA übt die Serie inzwischen einen ähnlichen Sog auf Künstler
aus, wie z.B. die "Simpsons". Auch bei "glee" will jeder gerne dabeisein oder wenigstens die eigenen Songs verwendet sehen. Die aus diesem reichen Fundus geschaffenen Arrangements sind nicht immer gelungen, oder besser gesagt manchmal zu gut, zu proffessionell, allzu fröhlich-glatt geworden. Langweilig sind sie aber nicht.
Sehen kann man "glee" jeden Montag ab 20.15 auf Super-RTL.
Christina hoppt und singt burlesque. Regie: Steve Antin, Stars: Cher, Christina Aguilera, Eric Dane, Cam Gigandet
Half-... no! No-breed: Do the Routine!
You better sit down Kids, here comes Cher, der verblüffend gut geschnittene Triumph der plastischen Chirurgie mit der waffenscheinpflichtigen Stimme. Und sie bringt auch gleich ein Nachwuchstalent mit: Christina "Dirty" Aguilera, ein kybernetischer Organismus, lebendes Gewebe über einem metallischen Endoskelett.
Von weitem betrachtet ist dieses Machwerk über eine begnadete Hupfdohle, gefangen im Körper eines kellnernen Landeis, gutes Futter für Hohn und Spott, ähnlich den genialen Fehlgriffen "Striptease" oder "Showgirls". Doch bevor wir uns darüber freuen, dass es goldene Himbeeren regnen wird über "Burlesque", noch mal genauer hingeschaut.
Sowohl für Cher wie auch für Christina Aguilera ist dieser Film ein Comeback. Doch während Cher nichts etwas anhaben kann, sie würde wohl auch einen Atomschlag unbeschadet überstehen, setzt Christina Aguilera alles auf eine Karte. Die Mickey Mouse schulte wieder und wieder um, zuletzt zur bionischen Bitch, und auf dieser Luderschiene rollte sie dann auf ein Abstellgleis.
Aber ach: der Genre-Mischmasch ist strunzlangweilig. Dialoge wie aus einer drittklassigen Soap halten sogar Cher gefangen, ihr schauspielerisches Talent und viel Emotionen kann sie in einer derart ermüdenden Inszenierung kaum zeigen, will sie wohl auch nicht. Das sie sich mit Routine zufrieden gibt, obwohl sie so viel mehr könnte, liegt aber nicht an der straff zurechtgespannten Haut, wie in anderen Rezensionen schon gelästert wurde. Es gibt einfach kaum etwas in diesem Plot, das große Emotionen erfordert. Damit das nicht so auffällt, jubelt das Publikum in der "Burlesque-Lounge" (so heist der hochverschuldete Club, den die Nachwuchsängerin Ali (Aguilera) vor allem Bösen rettet), was das Zeug hält.
Dieser Film ist auch ein Fest für die Aufmerksamkeits-Defizit-geplagte Generation: Aber auch durch die ständigen Perspektiv-, Beleuchtungs- und Brennweitenwechsel können die nichtsagenden Darbietungen nicht aufgewertet werden. Burlesque bleibt ein platter, überlanger Videoclip mit penetrant eingestreuten debilen Handlungsfetzen.
Dennoch rettet Cher den Schmarrn vor dem verdienten Weg in den Müll: Ihr Eröffnungssong, "Welcome to Burlesque" und der zweite, "Last of Me", überstrahlen die Durchschnittlichkeit. Etwas ungünstig - für die anderen Darsteller - ist es allerdings, wie sie "Last of Me" vortragen kann: Während ansonsten Statisten schiere Begeisterung mimen, obwohl es gar nichts fesselndes zu sehen und zu hören gibt, singt sie im leeren Club nach Geschäftsschluss, die einzige lange Szene ohne Unterbrechung - die ist dann tatsächlich ergreifend. Ausgerechnet diese Passage des Films wird immer wieder kritisiert.
Aguilera agiert wie eines dieser Chartshow-Superstar-Monster, die alles perfekt können: den Ton halten, fünf Oktaven hoch und runter singen, und natürlich supertoll tanzen. Das macht sie ganz fein - wie eine Musterschülerin. Gut, aber ohne Blut. So wundert es nicht, dass sie auch nicht schauspielen kann. Aber was soll´s, auch die restliche Crew agiert laienhaft. So fällt ihr knallchargieren nicht weiter auf.
Die blöd-süße Klebrigkeit, Vorhersehbarkeit und Lustlosigkeit dieses aufgebasenen Nonsense aus der Retortenmaschine werten auch unzählige blanke Oberschenkel, tiefstmöglichst ausgeschnittene Dekolletés, höchstmöglichst gepushte Brüste und ganz doll verruchte Minen nicht auf.
Eine extra große goldene Himbeere sollte das gesamte Synchron-Team treffen: Das US-Original hat wenigstens noch einen gewissen Drive, die deutschen Sprecherinnen hatten wohl keinerlei Interesse am Film oder waren weitgehend sediert.
Cher wird auch das überleben, für die andere - wie hieß sie noch - ist das keine gute Sache gewesen.
Rock-n-Roll never look so beautiful: Lady Gaga @ the Ahoi, Rotterdam, NL, 29. November 2010
Religion... ? My religion is you.
Nach ihrer Tour durch die USA ist Gaga wieder in Europa. Das Ahoi in Rotterdam ist trotz der Größe besonders für eine Familienfeier wie den Monster Ball geeignet. Der gestauchte Catwalk erlaubte mehr Nähe. Wer trotz Minusgraden, Schnee und schneidendem Wind lange angestanden hatte, um vorne mit dabei zu sein, den belohnte Lady Starlight. Die alte Freundin von Gaga kam mit Jack Daniels in der Hand zum Auflegen, als die Halle noch fast leer war. Zehn Rock-Platten später war der Whiskey halb leer und die Stimmung bestens. Starlight begleitete jeden Tune mit größtem Körpereinsatz: machte Fitnessübungen, rannte um die Bühne herum und brachte auch die alte Haarspray als Flammenwerfer-Nummer.
Fing gut an und ging genauso weiter: Die Support Band Semi Precious Weapons war aufgedreht wie selten und ihre Präsentation ist auch deutlich besser geworden, als noch vor einem halben Jahr in Arnheim. Ihre selbst gestellte Aufgabe alle "feucht und erregt" für Lady Gaga zu machen, hatten sie voll erfüllt.
Also gab es schon beim Intro zu "Dance in The Dark" große Verzückung. Und als Gaga mit der Subway beim Song "Lovegame" angekommen war, blickte sie auf ein Meer von Herzchen-Lufballons. Sie ist sicher schon einige Liebesbekundungen erlebt, dennoch verschlug es ihr doch kurz die Sprache. "Ihr seid ... ihr seid ... so organisiert ...". Sie nimmt einen der Ballons und drückt in an ihr Herz - da gab es kaum noch Halten bei den kleinen Monstern. Es ist eben eine Familienfeier die Außenstehenden als bizarr erscheinen muss. Gaga, erzählt von den vielen Briefen und Bildern, die sie von ihren Fans bekommt, diese handeln oft genug von erduldeter Ablehnung, von Frust und Schikanen. "Das habe ich auch erlebt, in meiner Schulzeit fühlte ich mich cool, aber die anderen meinten ich wäre alles andere als das. Das hat mich denken lassen, ich wäre es wirklich nicht." "Ich war nicht wirklich tapfer - ihr habt mich tapfer gemacht". "Mother Monster", wie sie von ihren Fans tituliert wird, ist wohl oft tatsächlich eine Mutter die manche gerne hätten. Gleichzeitig ist sie abhängig von dieser enormen Zuwendung: "Zwischen meine Fans und mich werde ich niemals etwas kommen lassen", sagte sie im Vanity Fair interview. Und das ist auch in Rotterdam so. "Glaub an dich, so wie du bist, du wurdest so geboren. Jesus liebt euch, Jesus liebt jeden - so wie er ist", und: "Du brauchst keine plastische Chirurgie und kein Geld, um famos zu sein." Gagas Begriff "Fame" ist der ursprünglichen Bedeutung wohl näher, als es die Übersetzung "Ruhm" ist. Etwas Besonderes zu sein, das geht auch ohne Geld, welches Gaga - wie sie immer wieder betont - hasst.
So gesehen ist sie der Gegenentwurf zur Popkultur der 80ziger und 90ziger. Eine Coolness die auf bestmögliche Anpassung an das saturierte System setzte. Versuche das zu karikieren, scheiterten an der Assimilation durch eine hedonistische Kultur, die sich letztlich zu dem Schlachtruf "Gier ist gut!" verstieg.
Auch wer bei ihrem Auftritt weniger an "Mutter" denkt, kann die pure positive, explosive Energie bewundern. So bleibt nichts übrig, als ihr an den Lippen zu hängen. Nüchtern betrachtet ist wohl manches Popkonzert größer, teurer und sonstwie aufwändiger, als der Monster Ball - eine derart magnetische, motiviernde Hauptperson, wie es Gaga ist, findet man selten.
Dazu kommt ein besonderer Sinn für Dramatik, wie er auch schon in den Songs festzustellen ist. Selbst die Unterbrechungen, z.B. "Puke" und "The Exorcist", die Gaga braucht um sich umzuziehen, faszinieren auch nach mehrmaligem Sehen durch ihre Widersprüchlichkeit und dennoch hyptonische Wirkung. Ein Höhepunkt des Balls war wieder ihr Kampf mit dem Klavier. Gaga präsentierte - leider viel zu kurz -"Speechless", steigert sich dann bei "You And I" zunehmend in Ekstase. Das Klavier wird erst geschlagen, dann mit dem Stiefel attackiert, das Bandmitglied Kareem Devlin kommt gitarreschrammelnd heran und so kann Gaga mit dem rechten Stiefel auch noch dessen Gibson bearbeiten. Wirkt der Monsterball zeitweise wie eine Heavy Metall Show, dann liegt das auch daran, dass Gaga genau dafür auch die Stimme hat. Allein wenn sie ihren Namen ins Ahoi schreit, wird sofort klar, warum Gene Simmons, der Sänger/Bassist von KISS sie als Bandmitglied anwerben wollte. Es bleibt zu hoffen, dass sie auf ihrem neuen Album "Born This Way" (erscheint im Februar 2011) davon mehr hören lässt.

Wer sind die Guten?
Vielleicht einer der besten, aber auf jeden Fall einer der wichtigsten Filme dieses Jahres wird warscheinlich untergehen. Oft genug passiert. "The Road", nach einem Roman von Cormac McCarthy, ist viel zu kalt für einen Blockbuster, viel zu dokumentarisch für einen Spielfilm. Ein Film über eine nicht näher benannte Apokalypse soll dukomentarisch sein? Wenn man alle verträumte Hoffnung fahren lässt, dann kann nur ein Leben vorstellbar sein, wie es quälend detailgenau in "The Road" beschrieben wird. Aber soweit sind wir natürlich nicht.
Daher bleibt Zeit den Hauptdarsteller zu feiern: Viggo Mortensen erscheint zunächst in "Der einzige Zeuge" als Amish. Kaum geeignet seine Stärke zu zeigen. Mortensen ist ein Schauspieler, der sich bis zur totalen Selbstaufgabe in die Rolle versenken kann. Daher ist es auch logisch, dass er in "The Road" kaum erkennbar ist. Nicht weil er in fast jeder Szene extrem viel Schmutz im Gesicht hat, sondern weil er der zerrissene Vater IST, der seinen Sohn durchbringen will.
Logisch, dass er aus einschlägigen Kreisen für seine Rolle in "Tödliche Versprechen" das zweifelhafte Kompliment bekam, es wirke wie ein Russian Wise Guy und auch logisch, dass ihn Cronenberg für "A History of Violance" besetzt hat: Einen liebenden Familienvater, der von seiner Vergangenheit als sadistischer Killer eingeholt wird. Viggo Mortensen ist - zuminstest gedanklich bei Spencer Tracy in die Schule gegangen: das extrem zurückgenomme Spiel, der dialogfreie Ausdruck - Mortensen beherrscht es perfekt. Dabei geht er an Grenzen, ohne übertrieben "spielfreudig" zu wirken. Wie er wechseln kann zwischen Identifikationsfigur und abscheuerregender Handlung - in Sekunden, dass ist ein Teil seiner Kunst. Wenn er seinen kleinen Bruder im Film "Schrei in der Stille" in den Dreck schlägt, nur um mit einer Frau zu ungestört zu sprechen, zeigt er keinerlei Lust am Gefälligen, am Beliebtsein, wie sie anderen Darstellern immer - auch in ihren düsteren Rollen - anhaftet.
Feiern muss man allerdings auch Kodie Smit-McPhee. Selten ist eine Rolle so glaubhaft umgesetzt worden. Wirken Kinder oft altklug und geschwätzig, besonders in schwergewichtigen Rollen, hält sich Smit-McPhee ebenbürtig zu Mortensen. Was den Film noch kälter macht. Oft sind es die Kinderrollen, die eine Flucht des Zuschauers aus dem Plot erleichtern: "ist ja nur ein Film"!. Hier nicht.
Carlize Theron hat in "The Road" die undankbare Aufgabe, die moralisch Einwandfreie zu geben. Sie verabschiedet sich aus der moralfreien Welt schnell und "kalt".
Stefani ´s calling
Die Don´t-ask-Don´t-tell-Praxis in den US-Streitkräften ist so unerträglich geworden, dass Ms. Germanotta direkt bei ihrem zuständigen Senator protestieren wollte. Lady Gaga, die sich ansonsten, die Nennung ihres bürgerlichen Namens verbietet, macht hier für die Rechte der Homosexuellen eine Ausnahme, aber auch für sie hebt niemend ab. Bleibt abzuwarten, was ihr Appell auf Youtube ausrichtet. Bei ihrer Rede in Maine (hier klicken) geht Gaga weiter. Sie fordert ein neues Gesetz. Ein Gesetz, dass nicht die Homosexuellen schickaniert sondern die, welche immer noch ein Problem mit Sexualität haben: "Ist es nicht so, dass wir den Hetero-Soldaten heimschicken sollten, den Hetero, der den Gay hasst?" ... "Diesen Soldat, der unsere wichtigsten Werte verteidigen sollte und statt dessen Hass repäsentiert?!"
Update: Die Gleichstellung wurde am 18. Dezember 2010 vom US-Senat beschlossen, Dont´t Ask - Don´t Tell gehört der Vergangenheit an. Lady Gaga über Twitter dazu: "Can't hold back the tears+pride. We did it!i Our voice was heard + today the Senate REPEALED DADT. A triumph for equality after 17 YEARS."

"My Love is a little bit cruel": Juliette Lewis, FZW, Dortmund, 2. Juli 2010
Juliette Lewis (Bild oben, links) ist den meisten eher als Schauspielerin bekannt. "From Dusk til Down", "Gilbert Grape", "The 4th Floor" "Jahre der Zärtlichkeit" und natürlich "Natural Born Killers". Dass ihr Auftritt als Musikerin mindest so intensiv und fesselnd ist, bleibt leider eher ein Insidertip. Im Freizeitzentrum West in Dortmund trat sie als Hauptact des Visions-Festivals vor kleinem Publikum auf. Sie gab mit ihrer Band (die jetzt nur noch unter ihrem Namen auftritt - Schluss mit "Licks" und "New Romantics") eine begeisternde Performance. Ihr Programm entsprach dem neuen Album "Terra Incocnito". Allerdings ist das Album deutlich mediöser und weniger wild als ihre Liveperformance. Kraftvoll, rhythmusbetont, filthy Guitarplay - natürlich sind alle Vergleiche ungenügend - ein wenig wirkte sie wie Crissy Hynde auf Speed.
Lewis gab alles und erwartete dann auch, dass alle richtig "Fun" haben. Über mangelnde Aufmerksamkeit konnte sie sich denn auch kaum beklagen, bis jemand es wagte zu telefonieren. Die Aufforderung diesen ignoranten rauszuschmeissen ("Go home and watch tv!") war durchaus ernst gemeint, die Umsetzung scheiterte nur an den für diese Aufgabe nicht geeigneten Ordnern. Man glaubt es ihr aufs Wort, wenn sie die "We love you"-Rufe damit beantwortet, dass sie uns alle auch liebt, aber ihre Liebe ein wenig grausam sei.

Ask and tell!
Mit ihrem Alejandro-Video (hier klicken) setzt Lady Gaga, hier in Zusammenarbeit mit Steven Klein, ihren mit dem Monster Ball-Szenario eingeschlagenen Weg fort. Die Arbeit ist mehrschichtig und brüchig, zeigt aber doch hohe stilistische Sicherheit und Qualität, und setzt stark auf die Phantasie des Betrachters. Das ist jedoch nicht das wichtige an dieser Arbeit: "Der Song reflektiert meine Beziehung zu schwulen Freunden. Mein Neid auf ihren Mut, den sie brauchen, um zusammen zu sein. Im Video schmachte ich nach ihrer Liebe, die unerwidert bleiben muss." (Gaga).
Während jetzt wieder heftig über das "sieht aus wie ... " und das "haben wir schon bei ... gesehen", schwadroniert werden wird, ist diese Arbeit ein Zeichen ihrer passionierten Stellungnahme für die Gay-Community. Diese kommt nicht politisch korrekt daher, sondern persönlich und mutig. Phanasien, auch die Verbindung von Gewalt und Sex werden visualisiert, Gaga nimmt im Video teilweise die Position ihrer Helden an, letztlich kann sie aber nur beobachten.
Das Gagas Video die Welt der Homosexualität feiert, ein gutes Zeichen gegen die wachsende Homophobie. Schon unter Schülern herrscht ein geradezu inqisitatorisches Klima, in der Berufswelt ist Homosexualität ein Makel, die Abweichung von der Norm führt mehr und mehr in eine No-Go-Area.
Das Lady Gaga für das Video auch auf kirchliche Symbolik zurückgreift ist stimmig. Hier geht es allerdings nicht um eine Religionskritik oder gar Blasphemie, wie ihr bereits vorgeworfen wurde, sondern mehr um Zeichen für ihre Gefühle und ihre Position in der Welt der G-Com. Die Verwendung von Sakraldesign ist angesichts der hohen Aussagestärke und der allgemeinen Verständlichkeit sinnvoll, allerdings für den oberflächlichen Betrachter eine Provokation.
Als "Skandal-Video" kann man Alejandro kaum bezeichnen. Man kann über Lady Gaga allerhand sagen, aber Zynismus oder Kalkül kann man ihr nicht vorwerfen - im Gegenteil, sie steht für eine garadezu trotzige Gradlinigkeit. Ihren Kampf gegen Vorurteile ("Prejudice is a disease", (Gaga)) setzt sie mit diesem Video fort. Das zu verdauen, scheint für einige Betrachter genauso schwer zu sein, wie es für diese schwer zu akzeptieren ist, das es eine Welt jenseits der erlaubten Gewöhnlichkeit gibt. Brava! Mille grazie, Gaga!.

Lady Gaga: Paparazzi, Gelredome, Arnhem, NL, 15. Mai 2010
Oh! Mighty!
Signorina Gaga lud zum Ball. Die ersten waren schon morgens da, ich erst Nachmittags, nach langem Warten auf den Einlass noch mal zweieinhalb Stunden (bin also eher ein Weichei was Hardcore-Fantum angeht) drinnen warten. Das hat mir einen Platz zehn Meter vor der Bühne eingebracht, auf dem ich von den Nachrückenden bis zum Auftritt umfallsicher festgedrückt werde.
Endlich kommen die Semi Precious Weapons auf die Bühne. Die Vorgruppe, eine Art Gutter-Glam-Punk-Metal-Rock-Band mit einem sehr von sich überzeugtem Sänger. Justin Tranter singt "I can´t pay my rent, but I´m fucking gorgeous". Höheren Showwert als die Tranters Champagnerdusche hat der Bassist Cole Whittle, der durch seine Kleidung und seine Bewegungen wie das unselige Wesen aus Frankenstein-Filmen wirkt. Die Band tritt schon seit langem mit Gaga auf. Beim ersten gemeinsamen Konzert waren, so Tranter, "twelfe fucking People" da. Zwischen den Songs weißt er immer wieder darauf hin, dass er zum anheizen für Lady ... (das scheint auf ihn nicht frustierend zu wirken: allein diese Erwähnung führt zu mehr Applaus, als er für seine eigenen Nummern bekommt) ... Gaga da ist. Nach vier Nummern sind alle "hot and wet" genug für Gaga und die Weapons gehen.
ße schwarze Vorhang ... hebt sich nicht, nein, es kommt noch ein zweiter, weißer herunter. Auf diese riesige Leinwand werden zu den ersten sich ständig wiederholenden Lauten von "Dance in the Dark" schemenhafte Bilder von Lady Gaga projiziert, dann - der schwarze Vorhang geht hoch und durch die Leinwand kann man sie erahnen. Sie bewegt sich kaum, wird nur langsam real. Großer Auftritt, der seine Wirkung nicht verfehlt.
"Dance in the Dark" ist der programmatische Titel für den Monster Ball: "Some Girls won´t dance to the beat of the track". "Hier, an diesem Platz, kann jeder das sein, was er will ...". Der Monster Ball, so gibt Gaga in ihren Ansagen immer wieder zu verstehen, ist eine Art Freaktreffen derer, die nicht nach dem vorgegebenen Takt tanzen wollen und sich hier befreien können. Mehr ...
All your love is revenge!
Update: Gagas Video Alejandro ist veröffentlicht. La COACHAs Version ist dreist aber auch sehr komisch. Of course: She is a very, very, bad Girl! Schließlich ist ihr Video produziert vom Schandmaul Perez Hilton. Could you forgive her, Little Monsters?
You and I
Update: Die wunderbar explosive Premiere von Lady Gagas neuem Lied auf dem Eltonball darf nicht mehr gezeigt werden (Shame!) Darum jetzt hier ein Fan-Mitschnitt live aus Montreal 28. Juni 2010.
It's been a long time since I came around
It's been along time but I'm back in town
But this time I'm not leaving without you
You taste like whiskey when you kiss me oooh
I'll give up anything again to be your baby doll
Yeah this time I'm not leaving without you
You said sit back down where you belong
In the corner of my bar with your high heels on
Sit back down on the couch where we
Made love for the first time
And you said to me
There's something, something about this place
Something about lonely nights and my lipstick on your face
Something something about my cool Nebraska guy
Yeah something about
Baby you and I
Been two years since i let you go,
I could've listened to a joke for rock n roll
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Da geht kein Oscar hin
Das war mal ein Spass: Fred Williamson höchstpersönlich als Stargast im Buio Omega Filmclub. Falls ihn jemand noch nicht kennt: Williamson ist "Der Hammer". Das Foto zeigt ihn in seiner typischen Rolle: Extrem cool - mit unvermeidlicher Zigarre - in "From Dusk til Dawn".
Das Ego des US-Actionstars passte denn auch gerade mal so in das Kino. Dabei wurde die genadenlose Selbstüberschätzung des "Hammer" (den Spitznamen hat er sich in seiner Football-Karriere durch ein besonders brutales Tackling verdient) ein wenig wettgemacht durch amüsant erzählte Märchen über seinen Werdegang, über rasch improvisierte Drehs in New York (Merke: Eine Verfolgungsjagd im Taxi über den Bürgersteig dreht Mr. Bombastic ohne Genehmigung - es reicht die Hupe zu betätigen, um die nicht eingeweihten (!) Passanten vom Gehsteig zu scheuchen. Die dann dazugekommenen Polizisten gehen natürlich auf Weisung des Hammers rasch aus dem Bild . . . ), über Erzählungen von seinen Erfahrungen mit anderen Größen des Filmgeschäfts. Dazu gab es einen seiner selbst regiesierten Filme: "Black Ceasar" - eine Homage an E.G. Robinson mit Anklängen an die frühen Scorcese-Werke.
Während der Film lief, hatten die Buio Omega Leute vor, ihren Gast in das Nachtleben von Gelsenkirchen zu führen (sehr mutig!).
Was haben sie gefunden: Die "Bubu-Bar". Einen öllen Rotlicht-Club. Zudem ist in den USA "Bubu" das Synonym für heruntergekommen und dreckig.
Ja, dass hat auch bei Herrn W. einen bleibenden Eindruck hinterlassen. "See what kind of friends they are!". . .
Und dann haben sie ihm - der Testosteron Machine Number One - auch noch einen kleinen glitzer-roten-looks-so-gay-"Joe"-Preis überreicht. Williamson war dann fast etwas überfordert von den deutschen Fans. Ob er wohl wusste, dass der Buio Omega Filmclub sich der Pflege von herausragendem Trash verschrieben hat?
Die nächste Samstags-Vorstellung des Buio Omega Filmclub, Gelsenkirchen, gibt es am 19. Mai 2012: "Ein fatalistisches Zelluloid-Doppelprogramm mit Münchner Überraschungen SCHLITSAUGEN". Einlass: 10.30 Uhr, Schauburg Filmpalast, Horster Str. 6, 45897 Gelsenkirchen.
Logo... was?
Vor wenigen Jahren konnte man noch sicher einen Arbeitsplatz in diesem damals noch exotischen Beruf finden, dafür glaubte fast jeder, man "mache was mit Füßen". Heute hat sich Logopädie sogar einen Platz in Comedy-Beiträgen erobert, was aber den Beruf genau ausmacht, ist noch etwas unklar. Im Info-Prospekt der Iserlohner Praxis für Logopädie (hier klicken) wird aus Sicht der Patienten beschrieben, welchen Nutzen die Behandlung bringen kann (Konzept, Text und Design: Marco Uras).
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